War das geplant?

Bald ist es soweit und unser 4. Söhnchen wird schlüpfen. Und ich bin nur froh, wenn es endlich soweit ist. Ich kann jetzt nach der 4. Schwangerschaft für mich mit Sicherheit sagen: Schwanger sein ist nicht lustig. Der ewige Eiertanz, nichts frühzeitig auszulösen, die Übelkeit, die jetzt am Ende schon wieder kommt, die Müdigkeit, Kreislaufprobleme, die Unbeweglichkeit – und jetzt am Schluss kann ich auch keinerlei körperliche Attraktivität meines Riesenbauches mehr feststellen.

Frage meines Jahres 2014: „War das geplant?“  (Schließlich weichen wir ja jetzt nicht mehr nur knapp sondern gewaltig vom gängigen Plan der hierzulande als Ideal empfundenen 2-Kind-Familien ab). Dicht gefolgt von: „Wird es jetzt wenigstens ein Mädchen?“

Nein.

Ich habe ja schon viel geplant in meinem Leben – angefangen bei der Berufswahl bis hin zu den Zeiten, wann ich meine Kinder bekommen werde (wohlgemerkt 2 Kinder, älterer Bub, jüngeres Mädchen). Als ich 8 war, war ich immer der Meinung, mit 12 wäre ich dann hinreichend erwachsen, um mir einen Hund nehmen zu können.

Nunja, wenn ich eines gelernt habe, dann dass es immer anders kommt. Vor einiger Zeit habe ich einen Brief erhalten, den ich mir selbst in der Maturaklasse geschrieben habe, ein Brief über meine Lebenspläne. Unser damaliger Religionslehrer hat die Briefe aufbewahrt und sie 20 Jahre später (ja, so alt bin ich schon) an seine Schüler versandt. Mein Gott, was war ich brav – und wie wunderbar hatte ich mich in alle für mich vorgesehenen Projekte eingepasst.

Fakt ist, dass nichts von dem, was ich in dem Brief geplant hatte, eingetroffen ist.

Also nein, eigentlich war ein viertes Kind ebenso wenig geplant wie die Tatsache, dass ich eine Bubenmama bin. Ich hätte es tatsächlich immer als Privileg betrachtet, sowohl Buben als auch Mädchen großziehen zu dürfen.

Die Hängematte: Best place to be in der Schwangerschaft

Die Hängematte: Best place to be in der Schwangerschaft

Und wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich mir zu Beginn dieser Schwangerschaft auch immer wieder die Frage gestellt: Wozu eigentlich ein viertes Kind? Warum nochmal aufs Glatteis tanzen gehen? Warum all die Risken nochmal eingehen? Vor allem aber: Warum nochmal zurück an den Start? Jetzt, wo es mit den Älteren so langsam gemütlich wird und ich nicht mehr als 100%-Versorgungseinheit funktioniere.

Eine endgültige Antwort habe ich bis jetzt nicht gefunden. Doch letztlich kann man bei jedem Kind die Frage nach dem Warum stellen. Wozu bekommt man überhaupt Kinder?

Abgesehen davon, dass es wohl Teil unseres naturgegebenen Plans ist, dass wir uns reproduzieren, ist der Wunsch nach einem Kind immer zu Beginn egoistisch – etwas Kleines, etwas Weiches, so süß und ein Stück, das von einem fortleben wird, ein neues Abenteuer mit 1000 neuen Möglichkeiten… Das Ergebnis ist dann natürlich im besten Fall eher altruistisch, weil man schließlich weder beim 1. noch beim 2., 3. oder 4. Kind vorweg empfinden kann, wie groß die Liebe zu diesem neuen Wesen wird und wie sehr man bereit ist, alles zu tun, alles zu geben, damit es diesem neuen Menschen gut geht.

Und umgekehrt ist jedes unserer Kinder für uns von erheblichem Wert – für die Erkenntnis über unser eigenes Selbst, über das Sein. Von jedem meiner Kinder habe ich unermesslich viel über mich selbst gelernt, habe hinterfragt, habe neue Wege entdeckt, neue Zugänge gefunden – zu mir, zu „dem Leben“. Mein Großer hat mich als high need baby auf den Weg geschickt. Was begonnen hat als die Suche nach den Ursachen für sein Wesen, für sein Weinen ist schnell in eine Suche nach mir selbst übergegangen. Ich habe viel gelesen, zuerst für ihn, schließlich aber für mich. Ich denke, ich kann behaupten, dass er mich ein gewaltiges Stück weiter gebracht hat. Ich habe begonnen anders zu denken, ich habe begonnen nachzuspüren und ich habe vieles, was ich bis dahin als „es ist, wie es ist“ angesehen habe, mit anderen Augen zu sehen begonnen. Mein Mittlerer hat mir als sehr zufriedenes Baby viel Sicherheit gegeben. Dafür hat er mich als 4 bis 5-Jähriger vor ganz neue Fragen gestellt, als aus meinem easy Kleinkind plötzlich ein kleiner Revoluzzer wurde. Er hat meine angelernen Reaktionsmuster in Frage gestellt und hat mich erneut auf die Suche nach neuen Antworten geschickt. Mein Kleinster ist für mich die Liebe in Person – ich fühle mich ihm in einer Weise verbunden, die wieder ganz anders ist als die Verbundenheit mit seinen großen Brüdern. Ich bin meinen Kindern so unendlich dankbar für all das, was sie für mich tun.

Natürlich ist das Leben mit Kindern oft anstrengend, nervenzehrend, man eckt an, erntet böse Blicke, Kopfschütteln. Man wird von der Umgebung in Frage gestellt, wenn Kinder nicht funktionieren, wie es landläufig erwartet wird. An schlechten Tagen wird man auf Reaktionen zurückgeworfen, die man mit klarem Kopf eigentlich ablehnt. Unterm Strich aber bin ich davon überzeugt, dass Kinder, wenn man es zulässt und sich wirklich mit ihnen auseinandersetzt, eine Bereicherung für das eigene Sein sind, dass sie einen zu einem  kompletteren Menschen machen.

Also gibt es unterm Strich ebensowenig eine rationale Erklärung für das erste Kind wie für das vierte. Oder ebensosehr. Alle Argumente, die für ein Kind sprechen, sprechen auch für vier Kinder.

Inzwischen werde ich auch schon oft gefragt, ob wir noch ein 5. Kind wollen, weil es ja nun 4 Buben sein werden und wir doch auch gern ein Mädchen gehabt hätten.  Immerhin diese Frage, glaube ich endgültig beantworten zu können:

Ja! Wenn die Medizin schnell genug hinreichende Fortschritte macht, dass mein Mann die Mühseligkeiten einer Schwangerschaft übernehmen kann (wobei er gemeint hat, dass er das vermutlich auf Grund seiner besseren Kondition ohnehin lockerer wegstecken würde als ich), steht aus meiner Sicht einem 5. Kind gar nichts im Weg.

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